Bundeskongress Genossenschaftliche Energiewende
Gestern kamen rund 250 Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Energiewirtschaft und dem genossenschaftlichen Verbund in Berlin zum Bundeskongress Genossenschaftliche Energiewende des DGRV zusammen. Trotz politischer Unsicherheiten und stockender energiepolitischer Debatten wurde deutlich: Die Energiewende bleibt ein zentrales Zukunftsthema – insbesondere mit Blick auf verlässliche Förderbedingungen und Planungssicherheit für erneuerbare Energien.

Prokon war mit geballter Energie vor Ort vertreten. Mit unserem Vorstandsvorsitzenden Henning von Stechow sowie Christoph Teuchert, Bereichsleiter Mitglieder & Energie, brachten wir uns mit zwei inhaltlichen Beiträgen aktiv in das Programm ein. An unserem Stand bot sich zudem viel Raum für Austausch und Vernetzung mit Akteurinnen und Akteuren der genossenschaftlichen Energiewende. Auch zahlreiche Prokon-Mitglieder und Beiräte waren beim Kongress dabei.
In den Impulsvorträgen betonten unter anderem Ursula Heinen-Esser (BEE), Dr. Julia Verlinden (Bündnis 90/Die Grünen) und Henning von Stechow die Bedeutung klarer politischer Rahmenbedingungen für die Energiewende. Heinen-Esser kritisierte das schleppende Vorankommen der EEG-Reform und forderte verlässliche Perspektiven für den Sektor der erneuerbaren Energien. Julia Verlinden hob die Rolle von Energiegenossenschaften und Bürgerenergie für Akzeptanz, Dezentralisierung und demokratische Teilhabe hervor.
In seiner Replik stellte Henning von Stechow die Sicht der Unternehmen in der Energiewende in den Mittelpunkt. Sein zentraler Punkt: Planungssicherheit. Spätestens 2027 müsse ein neues, EU-beihilfekonformes Fördersystem für erneuerbare Energien stehen. Bis heute sei jedoch unklar, wie dieses konkret ausgestaltet werde. Für Projektierer und Betreiber bedeute das hohe Investitionen bei fehlender Verlässlichkeit.

Seine klare Forderung an die Bundesregierung: schnelle Klarheit über die zukünftige Förderung erneuerbarer Energien.
Dabei plädierte er für Fokus und Geschwindigkeit statt überkomplexer Gesamtlösungen. Drei Aspekte stellte er besonders heraus:
Erneuerbare Energien benötigen dauerhaft einen wirtschaftlich tragfähigen Business Case.
Kostensenkungen sind der größte Hebel für eine erfolgreiche Energiewende – insbesondere durch Netzausbau, Digitalisierung und Flexibilität.
Akzeptanz entsteht durch echte Teilhabe, vor allem durch genossenschaftliche Modelle und Bürgerenergie.
Zugleich warnte von Stechow davor, dass der gesellschaftliche Rückhalt für die Energiewende abnehme. Umso wichtiger sei es, erneuerbare Energien als wirtschaftliche, soziale und sicherheitspolitische Notwendigkeit zu vermitteln.

Ein Höhepunkt des Kongresses war die Innovationsschau mit sechs zukunftsweisenden Projekten aus der genossenschaftlichen Energiewelt. Hier stellte Prokon – vertreten durch Christoph Teuchert – das Projekt „Echt Grün“ vor.
In seinem Impuls betonte Teuchert die Bedeutung von Transparenz und Ehrlichkeit im Strommarkt. Statt „100 Prozent Ökostrom“ rein bilanziell über das Jahr zu versprechen, müsse die zeitgleiche Erzeugung und Nutzung erneuerbarer Energien sichtbar gemacht werden. Denn Wind- und Solarenergie sind fluktuierend und nicht jederzeit verfügbar.
Am Beispiel des Prokon-Windstrom-Business-PPA zeigte er, wie Erzeugung und Verbrauch zeitlich zusammengeführt werden können. Kundinnen und Kunden decken ihren Strombedarf zu einem festen Preis, während Prokon den Residualhandel sowie die Systemverantwortung übernimmt. So wird transparent dargestellt, wann Strom erneuerbar verfügbar ist – und wann das Energiesystem zusätzliche Unterstützung benötigt.
Das Publikum kürte die Solarwärme Bracht eG mit einem Wärmeversorgungskonzept mit über 70 Prozent solarem Deckungsgrad zum Gewinner der Innovationsschau. Auch weitere Projekte zu Energiequartieren, Direktvermarktung und genossenschaftlichen Kooperationen stießen auf großes Interesse.
Zum Abschluss diskutierten Expertinnen und Experten die Zukunft der Förderung erneuerbarer Energien ab 2026 sowie die Herausforderungen für Energiegenossenschaften. Neben den inhaltlichen Debatten bot der Kongress zahlreiche Möglichkeiten für Austausch, Vernetzung und politische Gespräche.
Besonders positiv hervorgehoben wurde die zunehmende Präsenz junger und weiblicher Akteure in der genossenschaftlichen Energiewende sowie der direkte Dialog mit politischen Entscheidungsträgerinnen und -trägern. Der persönliche Austausch – auch mit Prokon-Mitgliedern aus dem Raum Berlin – unterstrich die Bedeutung gemeinsamer Positionierung.
Fazit: Die Energiewende braucht Tempo, Transparenz und echte Teilhabe. Prokon setzt sich gemeinsam mit starken Partnern für eine erfolgreiche genossenschaftliche Energiewende ein.