Jahresrückblick 2025 & Ausblick 2026
Im Gespräch mit Henning von Stechow und Katharina Beyer
2025 war für die Prokon Regenerative Energien eG kein gewöhnliches Jahr. Es war ein Jahr, in dem sich Rückenwind und Gegenwind abgewechselt haben: operative Fortschritte, strategische Weichenstellungen, aber auch wirtschaftliche und politische Rahmenbedingungen, die anspruchsvoller geworden sind. Im Gespräch blicken Henning von Stechow und Katharina Beyer zurück – und ordnen ein, was 2026 für Prokon, ihre Mitglieder und die Energiewende insgesamt bedeutet.

Kjell Kantak 2024
Henning von Stechow:
Ein ganz besonderer Moment war unser Jubiläum: 30 Jahre Prokon, davon 10 Jahre als Genossenschaft. Das war mehr als ein feierlicher Anlass – es war ein Beleg dafür, dass unser Modell trägt, auch unter veränderten Bedingungen. Besonders gefreut hat mich, dass wir unsere Gemeinschaft weiter stärken konnten: Wir sind mit über 41.000 Mitgliedern eine der größten Energiegenossenschaften in Europa. Über 1.200 neue Mitglieder haben sich im vergangenen Jahr für die Prokon-Idee entschieden. Dieses Vertrauen ist für uns keine Selbstverständlichkeit – gerade in einem Umfeld, das von Unsicherheit geprägt ist.
Katharina Beyer:
Operativ war 2025 ein Jahr wichtiger Fortschritte. Wir haben zentrale BImSchG-Genehmigungen für Windenergieprojekte mit insgesamt 131 MW erhalten und Zuschläge in EEG-Ausschreibungen von 124 MW gesichert. Damit zeigen wir, dass wir technisch und organisatorisch in der Lage sind, die Energiewende konkret umzusetzen – auch wenn die Rahmenbedingungen anspruchsvoller geworden sind.
Henning von Stechow:
Eine wichtige – vor allem als stabilisierender Faktor. In Finnland konnten wir durch den Verkauf eines Windparks erfolgreiche Projektentwicklungserlöse erzielen. In Polen haben wir weitere Genehmigungen und Netzkapazitäten gesichert und operativ ein sehr solides Ergebnis erreicht. In Spanien sind mehrere PV-Projekte in den Genehmigungsverfahren entscheidend vorangekommen. Internationalisierung bleibt für uns ein strategischer Baustein – allerdings mit Augenmaß und klarer wirtschaftlicher Logik.
Katharina Beyer:
Diversifikation hat uns 2025 insgesamt robuster gemacht – und zwar nicht nur regional. Auch die breite Wertschöpfungstiefe in Deutschland trägt zunehmend zur Stabilität bei. Die aktive Stromvermarktung spielt eine immer größere Rolle, und auch bei technischen Dienstleistungen für Dritte sind wir auf einem guten Weg. Gleichzeitig bleibt klar: Unser Kernfokus liegt weiterhin in Deutschland, dort, wo unsere Wurzeln und unsere größte Wirkung liegen.
Katharina Beyer:
Ganz klar bei den äußeren Rahmenbedingungen. Die ungewöhnlich schwachen Windverhältnisse haben uns – wie die gesamte Branche – wirtschaftlich belastet. Hinzu kamen deutlich steigende Kosten, etwa durch aufwendigere Planungs- und Genehmigungsverfahren, höhere Bau- und Materialpreise sowie in besonderem Maße durch teure Netzanschlüsse. Diese Faktoren treffen Projektentwickler und Betreiber gleichermaßen.

Henning von Stechow:
Dazu kommt eine politische und regulatorische Unsicherheit, die Investitionen erschwert. Diskussionen über Ausbaupfade, Fördermechanismen oder zusätzliche Anforderungen führen dazu, dass Projekte wirtschaftlich neu bewertet werden müssen. Planungssicherheit ist aber die Grundlage jeder langfristigen Infrastrukturinvestition – und genau diese Sicherheit war 2025 nicht immer gegeben.
Katharina Beyer:
Wichtig ist zunächst die Einordnung: Biomethan war bei Prokon kein großes etabliertes Geschäftsfeld, sondern ein Business-Development-Projekt mit einem kleinen Team und zwei Pilotprojekten. Wir haben diesen Bereich intensiv geprüft und mussten feststellen, dass sich unter den aktuellen regulatorischen und wirtschaftlichen Bedingungen kein tragfähiger Business Case darstellen lässt. Als Genossenschaft sind wir unseren Mitgliedern verpflichtet, ihr Kapital verantwortungsvoll einzusetzen. Das ist keine grundsätzliche Absage an flexible Erzeugung oder Systemdienlichkeit. Im Gegenteil – Flexibilität bleibt ein zentraler Baustein der Energiewende.

„Wir fokussieren uns auf die Bereiche, in denen wir wirtschaftlich tragfähig und wirksam agieren können: Wind, Solar, Speicher in sinnvoller Kombination und eine intelligente Vermarktung unseres Stroms."
Henning von Stechow, Vorstandsvorsitzender der Prokon eG
Henning von Stechow:
Beim Strombedarf und beim grundsätzlichen Ausbaubedarf gibt es einen breiten fachlichen Konsens. Gleichzeitig sehen wir, dass über Volumen, Timing und Ausgestaltung zunehmend unterschiedlich diskutiert wird – politisch wie gesellschaftlich. Die eigentliche Frage ist daher nicht mehr das „Ob“, sondern das „Wie“. Genehmigungen, Netze, Wirtschaftlichkeit und Akzeptanz entscheiden darüber, ob Ausbau gelingt oder ins Stocken gerät.
Gerade bei Projektentwicklern und Betreibern stellt sich aktuell sehr konkret die Frage, ob Erneuerbare unter den gegebenen Bedingungen wirtschaftlich tragfähig bleiben. Steigende Kosten treffen auf sinkende Einspeiseerlöse – das verändert Kalkulationen.

„Unsere Antwort ist: Ja, Erneuerbare bleiben ein tragfähiges Geschäftsmodell, aber nicht unter jeder Renditeerwartung und nicht ohne klare Priorisierung. Genau deshalb haben wir unsere Strategie geschärft."
Katharina Beyer, Vorständin der Prokon eG
Katharina Beyer:
Unsere Projektpipeline ist weiterhin gut gefüllt. Für 2026 erwarten wir weitere Genehmigungen und Zuschläge, insbesondere im Bereich Wind Onshore. Ein Schwerpunkt wird das Repowering sein: leistungsstärkere Anlagen an bestehenden Standorten sind ein zentraler Hebel für mehr Ertrag und Systemeffizienz. In Fleetmark beginnen wir gerade mit dem Rückbau älterer Anlagen, um Platz für neue zu schaffen und die Stromproduktion von jetzt rund 30 Millionen kWh auf 125 Millionen kWh zu steigern.
Henning von Stechow:
Mich stimmt vor allem unsere Gemeinschaft optimistisch. Mit über 41.000 Mitgliedern gehen wir in das neue Jahr, und auch die Zahl unserer Stromkundinnen und -kunden wächst weiter. 2026 werden wir zudem erstmals größere gewerbliche Verbraucher über RLM-Verträge direkt aus unseren eigenen Erzeugungsanlagen beliefern können – transparent und ohne Umwege über zweifelhafte Herkunftsnachweise. Entscheidend ist dabei nicht nur die Breite unserer Basis, sondern auch unsere Substanz: In installierter Leistung und genossenschaftlichem Kapital sind wir heute die größte Energiegenossenschaft Deutschlands. Das verschafft uns die Möglichkeit, auch unter schwierigen Rahmenbedingungen weiter zu investieren.

Henning von Stechow:
Der Netzausbau bleibt ein zentraler Engpass. Ohne verlässliche und zügige Netzanschlüsse helfen selbst genehmigte Projekte wenig. Gleichzeitig wird die Wirtschaftlichkeit von Projekten eine der großen Herausforderungen sein – angesichts hoher Kosten und volatiler Erlöse. Beides zusammen entscheidet darüber, ob Investitionen umgesetzt werden können.
Katharina Beyer:
Intern heißt das für uns: weiter priorisieren, Risiken sauber managen und offen kommunizieren. Wachstum um jeden Preis war nie unser Anspruch. Als Genossenschaft können wir mit geringeren Margen umgehen, weil unsere Mitglieder auf langfristige Stabilität und Wirkung setzen. Unser Ziel ist verantwortungsvolles, wirtschaftlich tragfähiges Wachstum – im Interesse unserer Mitglieder und der Energiewende.
Katharina Beyer:
Wir danken Ihnen für Ihr Vertrauen – gerade in einem Jahr wie 2025. Dieses Vertrauen ist unser wichtigstes Kapital und Antrieb für unsere tägliche Arbeit.
Henning von Stechow:
Die Energiewende ist kein Selbstläufer. Aber sie ist machbar, wenn wir sie realistisch, wirtschaftlich tragfähig und gemeinsam gestalten. Prokon steht genau dafür – und daran werden wir auch 2026 arbeiten.