1. Juli 2026

Metastudie: Erneuerbare Energien stärken Wirtschaft und Versorgungssicherheit

Sind Erneuerbare Energien ein Kostenfaktor für die deutsche Wirtschaft – oder ein wichtiger Teil ihrer künftigen Wettbewerbsfähigkeit? Eine von uns beauftragte Metastudie aus dem Februar 2026, die nun vollständig veröffentlicht wird, kommt zu einem klaren Ergebnis: Ein erneuerbares, digitales und flexibel gesteuertes Stromsystem kann günstige Energie, Versorgungssicherheit, Klimaschutz und wirtschaftliche Stärke miteinander verbinden. Dafür braucht es jedoch verlässliche politische Rahmenbedingungen und einen abgestimmten Ausbau von Erzeugung, Netzen, Speichern und Digitalisierung.

Die zentrale Erkenntnis: Eine Stromversorgung auf Basis Erneuerbarer Energien und eine wettbewerbsfähige deutsche Wirtschaft sind kein Widerspruch. Richtig umgesetzt, können sie sich gegenseitig stärken.

Erneuerbare Energien senken Abhängigkeiten

Der Ausbau von Wind- und Solarenergie verringert den Bedarf an importierten fossilen Energieträgern. Das stärkt die Widerstandsfähigkeit unserer Energieversorgung gegenüber internationalen Krisen und schwankenden Preisen für Öl und Gas.

„Die zuletzt stark gestiegenen Preise für Öl und Gas zeigen deutlich, dass es zur Energiewende keine vernünftige Alternative gibt“, sagt unser Vorstandsvorsitzender Dr. Henning von Stechow. „Der Ausbau grüner Stromerzeugung und die Umstellung von Wärme, Mobilität und industriellen Prozessen auf Strom stärken unsere Unabhängigkeit und den Klimaschutz.“

Auch in der Bevölkerung bleibt die Unterstützung für diesen Weg hoch. In einer repräsentativen YouGov-Befragung sprachen sich 68 Prozent der Wahlberechtigten dafür aus, die Abhängigkeit von Öl- und Gasimporten durch einen stärkeren Einsatz Erneuerbarer Energien und von Speichern zu reduzieren.

Welche Vorteile die Metastudie sieht

Die ausgewerteten Untersuchungen zeigen, dass Erneuerbare Energien die Strompreise im Großhandel senken können. Gleichzeitig reduzieren sie die Abhängigkeit von Energieimporten und erhöhen damit die Versorgungssicherheit.

Ein steigender Anteil von Wind- und Solarstrom allein reicht allerdings nicht aus. Damit das Stromsystem zuverlässig und effizient funktioniert, müssen Erzeugung und Verbrauch besser aufeinander abgestimmt werden. Dafür braucht es moderne Stromnetze, Speicher, flexible Verbraucher und digitale Steuerungsmöglichkeiten.

Digitale Plattformen, intelligente Messsysteme und Energiemanagementlösungen können viele einzelne Anlagen miteinander verbinden. E-Autos, Wärmepumpen, Batteriespeicher und industrielle Anlagen können ihren Verbrauch so stärker in Zeiten verschieben, in denen viel erneuerbarer Strom verfügbar ist. Das entlastet die Netze, begrenzt Preisspitzen und kann die Kosten des Energiesystems senken.

Darüber hinaus stärkt der Ausbau eines erneuerbaren und digitalen Stromsystems die Wertschöpfung und Beschäftigung in Deutschland. Werden Menschen, Kommunen und Unternehmen wirtschaftlich beteiligt, erhöht dies zudem die Akzeptanz für neue Energieprojekte.

Was ein effizientes Stromsystem braucht

Die Metastudie beschreibt mehrere Voraussetzungen für ein leistungsfähiges Energiesystem. Dazu gehören insbesondere:

  • mehr Flexibilität bei Stromerzeugung und -verbrauch,

  • eine digitalisierte und intelligent gesteuerte Netzinfrastruktur,

  • ein ausgewogener Mix aus Windenergie, Photovoltaik, Speichern und flexiblen Kraftwerken,

  • ein effizienter Netzausbau und die bessere gemeinsame Nutzung von Netzanschlüssen,

  • klare Ausbauziele und verlässliche rechtliche Rahmenbedingungen.


Entscheidend ist dabei, Erneuerbare Energien, Netze, Speicher und Verbrauch nicht getrennt zu betrachten. Ein kosteneffizientes System entsteht erst, wenn alle Bereiche gemeinsam geplant und weiterentwickelt werden.

Auch für die Industrie ist Planungssicherheit wichtig. Unternehmen werden nur dann umfassend in Elektrifizierung und klimafreundliche Produktionsprozesse investieren, wenn langfristig ausreichend grüner Strom zu wettbewerbsfähigen Preisen verfügbar ist.

    Politische Pläne sorgen für Diskussionen

    Aktuell wird politisch darüber beraten, wie der Ausbau Erneuerbarer Energien stärker mit den verfügbaren Netzkapazitäten abgestimmt werden kann. Ein Vorschlag sieht vor, besonders belastete Netzgebiete als kapazitätslimitiert einzustufen. Betreiber neuer Wind- und Solaranlagen könnten dort bei einer späteren Abregelung bis zu zehn Jahre lang auf Entschädigungen verzichten müssen.

    Eine Kurzanalyse des Beratungsunternehmens Consentec im Auftrag von Agora Energiewende zeigt, wie weitreichend diese Regelung sein könnte. Bei einer Schwelle von drei Prozent Abregelung würde auf Basis der Daten von 2025 im Netzgebiet von Schleswig-Holstein Netz etwa jede vierte Gemeinde als Engpassgebiet gelten. Die wirtschaftlichen Auswirkungen könnten jedoch deutlich mehr Standorte treffen: Nach der Analyse wären bis zu 77 Prozent der Gemeinden von einem De-facto-Baustopp für neue Wind- und Solarprojekte betroffen.

    Der Grund: Ohne Entschädigung für mögliche Abregelungen steigen die finanziellen Risiken für Projektentwickler und Banken. Projekte könnten dadurch schwerer finanzierbar werden – auch in Regionen mit sehr guten Bedingungen für Wind- und Solarenergie. Hinzu kommt, dass sich Netzengpässe durch Netzausbau, Speicher und flexible Verbraucher verändern können, während die Einstufung für mehrere Jahre gelten soll.

    Aus unserer Sicht darf die Lösung deshalb nicht darin bestehen, den Ausbau Erneuerbarer Energien pauschal zu begrenzen. Stattdessen müssen Netzausbau, Speicher, Digitalisierung, flexible Netzanschlüsse und ein steuerbarer Verbrauch gemeinsam und schneller vorangebracht werden.

    „Die Zustimmung zur Energiewende ist hoch“, sagt Henning von Stechow. „Damit sie gelingen kann, brauchen wir eine klare Verpflichtung auf die Klimaziele und verlässliche regulatorische Rahmenbedingungen für Investitionen.“

    Ein Mann sieht sich auf einer Grafik die Verbindung zwischen Wind, Sonne uns elektrischem Strom an.

    Erneuerbar, digital und gemeinschaftlich

    Die Metastudie zeigt: Erneuerbare Energien sind nicht nur ein Instrument für den Klimaschutz. Sie können auch Energiepreise stabilisieren, Importabhängigkeiten reduzieren und neue wirtschaftliche Chancen schaffen.

    Voraussetzung ist ein Stromsystem, das Erzeugung, Netze, Speicher und Verbrauch intelligent miteinander verbindet. Bürgerenergie und regionale Wertschöpfung spielen dabei eine wichtige Rolle: Sie ermöglichen wirtschaftliche Teilhabe und sorgen dafür, dass die Energiewende nicht nur technisch funktioniert, sondern auch von den Menschen getragen wird.

    Für die Metastudie haben wir das Beratungsunternehmen enervis energy advisors damit beauftragt, Untersuchungen renommierter Forschungsinstitute, Beratungsunternehmen und Finanzinstitutionen auszuwerten. Dazu zählen unter anderem Studien von Fraunhofer ISE, Agora Energiewende, der KfW, der Europäischen Investitionsbank sowie von Beratungsunternehmen wie Boston Consulting Group, Deloitte und McKinsey.

    Studie herunterladen

    Gründe und Maßnahmen für ein erneuerbares Stromsystem als Basis einer wettbewerbsfähigen Industrie in Deutschland

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