Nach 24 Jahren Betrieb und Abermillionen Umdrehungen ist Schluss: Die Rotorblätter der elf Windenergieanlagen im Windpark Fleetmark werden derzeit fachgerecht zerkleinert und recycelt. Ein großer Teil der Materialien findet anschließend in der Baustoffindustrie eine neue Verwendung.

Rotorblätter von Windkraftanlagen bestehen aus besonders widerstandsfähigen Verbundstoffen wie Glasfaser (GFK), Harz und Balsaholz. Damit sie für den Abtransport vorbereitet werden können, kommt beim Rückbau eine diamantenbesetzte Kreissäge zum Einsatz. Im Windpark Fleetmark werden die 37 Meter langen Rotorblätter so in rund sechs Meter lange Segmente zerlegt.
„Dabei gehen wir bewusst umweltschonend vor“, erklärt Malin Edith Creydt, bei Prokon verantwortlich für den Rückbau. Während des Sägevorgangs wird Wasser eingesetzt, um Glasfaserstäube zu binden. Zusätzlich schützt eine spezielle Fleece-Plane den Boden vor Rückständen. Grundlage für den nachhaltigen Rückbau ist die DIN SPEC 4866, die Umweltstandards für den Rückbau von Windenergieanlagen definiert.
Für die Demontage arbeitet Prokon mit dem zertifizierten Rückbauunternehmen Neowa zusammen. Parallel zur Zerlegung der Rotorblätter werden auch die Stahltürme der Windkraftanlagen (siehe Bild) mit speziellen Brennlanzen in transportfähige Stücke geteilt.
Während sich Stahl und Kupfer vergleichsweise einfach recyceln lassen, müssen die Rotorblätter zunächst weiterverarbeitet werden. Dies geschieht in spezialisierten Entsorgungsfachbetrieben außerhalb des Windparks. Dort werden die Materialien mit Hydraulikscheren und Schredderanlagen weiter zerkleinert.
„Die Glasfasern können dabei scharfkantige Splitter bilden. Deshalb ist eine kontrollierte Verarbeitung wichtig“, erklärt Jannik Ott, Projektleiter bei Neowa.


Was viele nicht wissen: Rotorblätter dürfen in Deutschland seit 2005 nicht mehr auf Deponien entsorgt werden. Auch eine klassische Müllverbrennung gilt als problematisch, da Glasfaserstäube technische Anlagen belasten können.
Prokon setzt deshalb auf eine stoffliche Verwertung der Materialien. Die zerkleinerten Rotorblätter werden zu sogenanntem GFK-Bruch verarbeitet und anschließend in der Zementindustrie eingesetzt. Dabei dient der Harzanteil als Brennstoff, während die enthaltenen Glasfasern als Ersatz für Quarzsand im Zement genutzt werden.
„Das Verfahren hat sich etabliert und entspricht dem aktuellen Stand einer nachhaltigen Entsorgung von Rotorblättern“, sagt Creydt.
Der Rückbau der Altanlagen ist Teil eines umfassenden Repowering-Projekts in Fleetmark. Die bestehenden Windenergieanlagen werden durch moderne und deutlich leistungsstärkere Anlagen ersetzt. So kann künftig auf derselben Fläche mehr klimafreundlicher Strom erzeugt werden. Mehr dazu erfährst du hier: