Im Zuge des Repowerings des Windparks Fleetmark geht Prokon neue Wege in der Kreislaufwirtschaft: Die beim Rückbau anfallenden Stahltürme sollen künftig im internationalen Pipelinebau wiederverwendet werden – perspektivisch sogar als Grundlage für bürgergetragene Gasinfrastruktur.

Der Vorstoß kommt zu einem Zeitpunkt, an dem energiepolitische Debatten in Deutschland und Europa an Dynamik gewinnen. Vor dem Hintergrund steigender Energiepreise und geopolitischer Spannungen – insbesondere rund um die Straße von Hormus, durch die ein erheblicher Teil der weltweiten Öl- und Gastransporte verläuft – rückt die Frage nach Versorgungssicherheit weiter in den Fokus.
Parallel dazu wird auf politischer Ebene intensiv über die zukünftige Rolle von Gaskraftwerken diskutiert. Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche betont zuletzt verstärkt die Bedeutung gesicherter Leistung und neuer Technologien für die Energieversorgung, während gleichzeitig Kritik laut wird, dass der Ausbau der Erneuerbaren an Tempo verlieren könnte.
Vor diesem Hintergrund prüfen wir nun, ob sich das genossenschaftliche Modell auch auf neue Infrastrukturen übertragen lässt: „Wenn künftig mehr Gaskraftwerke zur Sicherung der Grundlast benötigt werden, stellt sich die Frage, warum diese nicht – wie Windparks – auch in Bürgerhand organisiert sein sollten“, so Karsten Brandt, Bereichsleiter Service & Betrieb Windenergieanlagen bei der Prokon eG. „Unsere ehemaligen Windkrafttürme könnten dabei buchstäblich das Rückgrat einer solchen Infrastruktur bilden.“
Im Rahmen eines Pilotprojekts sollen erste Turmsegmente aus Fleetmark technisch für den Pipelineeinsatz angepasst werden. Neben klassischen Anwendungen im internationalen Pipelinebau wird auch ein Einsatz in regionalen „Bürger-Gasnetzen“ geprüft.
Mit dem Konzept verbindet Prokon die Idee, bestehende Materialien sinnvoll weiterzuverwenden und gleichzeitig neue Beteiligungsmodelle in der Energieversorgung zu denken – von der Windenergie bis zur gesicherten Leistung.
Ob sich dieses Modell durchsetzt, ist derzeit noch offen. Das Interesse aus Politik und Branche ist jedoch überraschend konkret.