Windpark Rückbau in Fleetmark
Der Rückbau des Windparks Fleetmark in Sachsen-Anhalt ist in vollem Gang. Seit Mitte Februar werden elf Windenergieanlagen (WEA) demontiert, um Platz für ein Repowering-Projekt zu schaffen. Insgesamt fallen dabei rund 2.700 Tonnen Stahl, Rotorblätter und Maschinenteile an, die fachgerecht zerlegt und möglichst vollständig recycelt werden.
Nach mehr als zwei Jahrzehnten Betriebszeit werden die bestehenden Anlagen durch acht moderne Windenergieanlagen ersetzt. Diese leisten jeweils 6 Megawatt und erzeugen künftig trotz geringerer Anzahl rund die dreifache Strommenge. „Die Türme haben das Ende ihrer Lebensdauer erreicht. Jetzt machen wir den Weg frei für eine deutlich effizientere Nutzung des Standorts“, sagt Malin Edith Creydt (siehe Foto), bei Prokon für den Rückbau verantwortlich.

© Markus Wölk
Der Rückbau der Windenergieanlagen folgt einem klar strukturierten Ablauf. Zunächst bereitet ein Team das Maschinenhaus vor: Kabel, Leitungen und Verbindungen werden gelöst, der Antriebstrang ausgebaut. Anschließend kommt ein mobiler Großkran zum Einsatz, der die zentralen Komponenten in luftiger Höhe demontiert.
Zuerst werden die Rotorblätter vom Maschinenhaus getrennt und einzeln zu Boden gehoben. Die bis zu 77 Meter langen Bauteile aus glasfaserverstärktem Kunststoff erfordern dabei höchste Präzision. Ein Hilfskran stabilisiert die Arbeiten. „Hier ist exaktes Timing entscheidend – und auch das Wetter spielt eine wichtige Rolle“, erklärt Jannik Ott, Projektleiter beim Rückbauunternehmen Neowa.
Im nächsten Schritt wird das Maschinenhaus abgebaut, gefolgt vom Turm, der segmentweise zerlegt wird. Jedes Segment ist mit zahlreichen Schraubverbindungen gesichert – entsprechend aufwendig ist die Demontage.
Ist eine Anlage abgebaut, beginnt parallel die Zerlegung der Materialien. Der Turm wird vor Ort mit einer Brennlanze in kleinere Teile geschnitten, Rotorblätter werden mit spezieller Sägetechnik zerkleinert. Ziel ist es, möglichst viele Bestandteile in den Stoffkreislauf zurückzuführen.
Eine besondere Rolle spielt dabei das Recycling der Rotorblätter: Diese werden als sogenannter GFK-Bruch in der Zementproduktion eingesetzt. Aufgrund ihres hohen Brennwerts und der enthaltenen Glasfasern können sie fossile Brennstoffe und Rohstoffe ersetzen. „Die Materialien eignen sich hervorragend für die Weiterverwertung“, so Ott.


Der gesamte Rückbau des Windparks Fleetmark erfolgt nach der Norm DIN-Spec 4866, die verbindliche Standards für die Demontage von Windenergieanlagen definiert. Prokon setzt damit bewusst auf einen besonders nachhaltigen und transparenten Prozess.
„Unser Anspruch ist es, beim Rückbau von Windkraftanlagen eine Vorreiterrolle einzunehmen“, betont Prokon-Vorstand Henning von Stechow. Die Richtlinie wurde maßgeblich vom Rückbauverband e.V. mitentwickelt, dem auch Prokon angehört.
Ein Teil der Anlagen erhält sogar ein „Second Life“: Zwei Windenergieanlagen aus Fleetmark werden nach Moldawien verkauft und dort weiterbetrieben. Darüber hinaus lassen sich viele Komponenten wie Generatoren oder Getriebe weiterverwenden.
Da bundesweit noch zahlreiche baugleiche Anlagen in Betrieb sind, ist die Nachfrage nach Ersatzteilen hoch. Entsprechend werden geeignete Bauteile eingelagert und später wieder eingesetzt.


Bis Juli soll der Rückbau der Windenergieanlagen abgeschlossen sein. Anschließend beginnt der Tiefbau, bei dem unter anderem die Fundamente entfernt werden. Auch hier steht Recycling im Fokus: Betonreste werden beispielsweise für die Infrastruktur des neuen Windparks wiederverwendet.
Mit dem Repowering-Projekt entsteht in Fleetmark ein deutlich leistungsstärkerer Windpark: Statt bisher 16,5 Megawatt liefern die neuen Anlagen künftig rund 48 Megawatt Leistung. Die Inbetriebnahme ist für Frühjahr 2027 geplant.
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